Interview mit Andreas Herrmann

zum Thema Heilung

 


 

Hallo Andreas. Sie sind nicht nur regelmäßig im Fernsehen zu sehen, Sie sind auch Pastor des Christlichen Zentrums Wiesbaden. Seit vielen Jahren führen Sie regelmäßig Heilungsgottesdienste im CZW und auch überregional durch. Wie sind Sie zum Heilungsdienst gekommen?

 

Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich schon immer ein Interesse am Heilungsthema. Vor vielen Jahren habe ich mit Begeisterung Kathryn Kuhlmanns Bücher verschlungen und von ihnen inspiriert damit begonnen für Kranke zu beten. Und es geschahen tatsächlich Heilungen. Dann sprach Gott im Gebet zu mir: Ich solle monatlich regelmäßig Heilungsgottesdienste durchführen, die Salbung würde dann zunehmen. Und genau so geschah es. Nun besuchen sehr viele Menschen aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich unsere Heilungsgottesdienste, in denen wir sehr viele Heilungen erleben.

 

Was war die stärkste Heilung die Sie erlebt haben?

 

Dies ist eine schwierige Frage, da ich immer wieder etwas Neues erlebe. Ich habe gesehen wie Buckel verschwanden, Menschen aus dem Rollstuhl kamen, unheilbarer Diabetes von Typ I geheilt wurde, Knochen nachgewachsen sind und Augen sich geöffnet haben, usw. Für mich ist das große Wunder immer wieder das, was sich gerade vor mir ereignet.

 

Bei Diskussionen über das Thema Heilung sind vielfach Widerstände zu spüren. Viele scheuen davor zurück Erwartungen zu wecken, die enttäuscht werden könnten. Wie gehen Sie mit dieser Spannung um?

 

Ich verstehe durchaus, dass einige Menschen hier Schwierigkeiten haben, denn sie sind genau wie ich seelsorgerlich besorgt um jene, die nicht geheilt werden Würde man dieser Sicht aber zu viel Raum geben, würde keiner mehr glaubensvoll für Kranke beten. Man lässt also lieber Hunderte oder Tausende unter den Tisch fallen, die Heilung erleben. Wenn ich einen Arzttermin habe und durch die Tabletten nicht gleich geheilt werde, werfe ich die Tabletten doch auch nicht weg und geh in der Regel immer wieder zum gleichen Arzt. Das Gleiche machen wir mit unserem Arzt Jesus Christus. Ich erkläre das auch immer wieder in unseren Heilungsgottesdiensten; es gibt Heilung die spontan geschieht, aber normalerweise ist Heilung etwas Prozesshaftes.

 

Seit der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert rechnen wir hierzulande mit dem, was der Mensch vermag. Doch in den letzten Jahren öffnet sich unsere Gesellschaft wieder zunehmend für Übernatürliches. Spiegelt sich dieser Trend auch in Ihren Heilungsgottesdiensten?

 

Wir sind tatsächlich Menschen, die von Aufklärung, von Ratio geprägt sind, also von naturwissenschaftlichem Denken. Dieses hat die Theologie geprägt und das Übernatürliche weitestgehend eliminiert. In der Moderne dominierte das Wort, auch in den Kirchen. In unserer postmodernen Zeit ist man sehr offen für das Transzendente und die persönlich gemachte Erfahrung steht stark im Vordergrund. Etliche Menschen laufen mit ihrem naturwissenschaftlich orientierten Begrenzungsdenken für das Übernatürliche durch die Gegend. Hierzu eine Demonstration:

Die Hummel wiegt 1,2 Gramm, hat eine unförmige Flügelstruktur und kann nach den Gesetzen der Aerodynamik und des Windkanals gar nicht fliegen. Sie fliegt dennoch – trotz wissenschaftlich definierter Begrenzung.

So ist es auch mit unserem Glauben. Glauben wir an Grenzen, werden wir auch an diese Stoßen. Leben wir in einer dynamischen Gottesbeziehung so erleben wir, dass Gott immer wieder unsere Grenzen sprengt, wenn wir ihn ernst nehmen. Wir haben es im Christentum von Anbeginn an mit dem Übernatürlichen zu tun, was über das Wissenschaftliche, Messbare weit hinaus geht, es aber gleichzeitig mit einschließt. Als Christen brauchen wir uns in einer naturwissenschaftlich denkenden Welt nicht für das Übernatürliche zu entschuldigen. Unser Job ist es zu beten, Gottes Job ist es zu heilen. Je mehr wir ihn ernst nehmen, ihn und sein Wort und den Heilungsauftrag, umso mehr Ergebnisse sehen wir.

 

Heute bietet der paramedizinische Boom des ganzen Esoterik-Marktes mit vielen Heilsversprechern und Heiler durch Reiki, Feng Shui usw., Wege zur Heilung an. Wo liegen denn die Unterschiede zu all den Heilungsangeboten und zu dem was Sie anbieten?

 

Der Unterschied liegt sicherlich in der Quelle der Heilung, die wir Jesus Christus nennen. Seine Heilungskraft als Gottessohn ist von der Durchschlagskraft unendlich viel höher und stärker als diese Angebote. Obendrein ist unser (sein) Angebot gratis, also nicht auf Profit ausgerichtet wie beim spirituellen Supermarkt der Esoterik. Jesus sagt: „Umsonst habt ihr es empfangen. Umsonst gebt es weiter“.

 

Fällt bei Ihnen das Thema Tod bei all dem Glauben für Heilung nicht automatisch unter den Tisch?

 

Auf keinen Fall. Der Tod ist eine Realität, mit dem wir es im Heilungsdienst auch zu tun haben. Wir müssen anerkennen und akzeptieren, dass einige Heilungen sich erst in der Ewigkeit ereignen werden und nicht hier zu Lebzeiten auf Erden. Gott selbst entscheidet nach seinem Ratschluss, wen er heute und wen er „morgen“ (in der Ewigkeit) erst heilt. Für mich umfasst das Spektrum des Heilungsdienstes alles. Vom Gebet für Heilung bis hin zur seelsorgerlichen Sterbebegleitung. Wenn Gott dich oder mich nicht heilt, können wir mit ihm im Glauben durch den Sturm der Schmerzen gehen oder mit ihm Hand in Hand durch den Tod ins ewige Leben treten. Dies ist natürlich nur dann möglich, wenn die wichtigste aller Heilungen, nämlich die Heilung unserer Gottesbeziehung, geschehen ist.